Amazons Händler erwirtschaften mehr als Amazon: Spannende Erkenntnisse aus dem Jahresabschluss
Erstmals veröffentlicht Amazon 2016 die Zahlen zu Händlergebühren und Abo-Einnahmen aus Prime-Diensten.
Amazon hat seine Jahreszahlen veröffentlicht. Aufgrund bilanzieller Veröffentlichungspflichten erlauben die Zahlen diesmal tiefere Einblicke in die Entwicklung des US-Konzerns als bisher. So sind neben den Jahresumsätzen von 14,148 Milliarden US-Dollar in Deutschland zum ersten Mal Zahlen verfügbar, die es ermöglichen, die Rolle der Händler auf dem Amazon Marketplace stichhaltiger als je zuvor zu beurteilen. Diese Analyse führt zu dem Ergebnis, dass Händler auf dem Marktplatz Amazon längst überflügelt haben und auch den bisherigen Wachstumsfavoriten AWS ablösen werden.
Das Jahresergebnis von Amazon im Überblick
Die eigenen Handelsumsätze von Amazon belaufen sich laut Jahresabschluss auf rund 91 Milliarden US-Dollar, darin enthalten sind sowohl Umsätze für physische Produkte wie beispielsweise Bücher und Tonträger, aber auch Umsätze mit digitalen Produkten wie E-Books oder Mp3s – ausgenommen Flatrates. Pauschalen wie Kindle Unlimited und Prime Music oder das Prime-Abo belaufen sich auf rund 6,4 Milliarden Dollar.
AWS, der Cloud-Dienst von Amazon, bringt dem US-Konzern zusätzliche 12,2 Milliarden Dollar ein, ein Betrag, der in der Branche als Wachstumstreiber betrachtet wird.
Allerdings produzieren Händler für Amazon auch knapp 23 Milliarden Dollar Service-Einnahmen. Amazon zählt zu diesem Bilanzposten Händlerprovisionen, Fulfillment und Versandkosten und andere Dienstleistungen für Händler.
Besonders interessant für die weitere Analyse dieses Händlereinflusses auf Amazons Wachstum sind Zahlen, die Rückschlüsse auf Amazons Versandleistung ermöglichen: Seine Versandkosten-Einnahmen beziffert der US-Konzern auf knapp 9 Milliarden Dollar, diese Einnahmen beinhalten die Einnahmen aus dem Fulfilment-By-Amazon-Programm für Händler ebenso wie anteilige Einnahmen aus dem Prime-Programm, die dem Versandbereich zuzurechnen sind. Nicht enthalten sind die durchlaufenden Posten der Versandgebühren, die Amazon im Auftrag eines Händlers einzieht, der seine Sendungen selbst versendet.
Händlergebühren werden 2016 ein wichtigerer Wachstumstreiber für Amazon als AWS
Die bisher als Wachstumsgarant betrachteten AWS-Zahlen sind von einem prozentualen Wachstum von 69 Prozent im Jahr 2015 (von 4,6 auf 7,9 Milliarden Jahresumsatz) zurückgefallen auf 55 Prozent Wachstum.
Die Umsätze, die Amazon durch Händler erwirtschaftet hat, sind 2015 um 37 Prozent gewachsen (von rund 11,8 auf rund 16,1 Milliarden Dollar) und das Wachstum hat sich 2016 erhöht auf 42 Prozent (von rund 16,1 auf rund 23 Milliarden Dollar). Zwar weist AWS immer noch eine höhere Wachstumsrate auf, jedoch scheint das Wachstum rückläufig. Der Cloud-Markt scheint geringfügig gesättigt, wohingegen der Marketplace-Bereich konstant weiter wächst.
Amazon Jahresergebnis 2016: Amazon-Retail-Umsatz und Umsatz der Marketplace-Händler
Um zu beurteilen, wie Amazons Händler sich im Vergleich zu Amazon selbst auf dem Marktplatz schlagen, müssen die Umsätze verglichen werden. Das ist nicht ohne weiteres möglich, denn Amazon nennt nur die eigenen Umsätze ausdrücklich. Allerdings enthält der diesjährige Jahresabschluss, wie bereits erwähnt, Zahlen, die Rückschlüsse mittels Hochrechnungen ermöglichen: Erstens die Versandeinnahmen von Amazon und zweitens die Einnahmen aus Händlergebühren.
Laut Amazons eigener Auskünfte wurden 2016 45 Prozent der Einheiten von Händlern verkauft. Nach einhelliger Expertenmeinung verkaufen Händler überwiegend eine Einheit pro Sendung. Davon ausgehend, dass somit auch schätzungsweise 45 Prozent der Versandeinnahmen von Amazon von Händlern kommen, könnte dieser Anteil an den Versandeinnahmen aus dem Bilanzposten der Händlergebühren herausgerechnet werden. Der verbleibende Rest der Händlergebühren besteht dann überwiegend aus Provisionen der Händler.
Diese wiederum erlauben dann eine Hochrechnung der Umsätze, die Händler bei Amazon getätigt haben könnten: Ausgehend vom höchsten Provisionssatz über 15 Prozent Umsatzbeteiligung ergäbe sich so bei einer konservativen Schätzung ein Händler-Umsatz von rund 123 Milliarden Dollar. Im Vergleich dazu hat Amazon selbst 2016 rund 91 Milliarden Dollar Handelsumsatz erreicht.
Damit wären 2016 auf dem Marktplatz von Amazon insgesamt Waren im Wert von grob geschätzt 214 Milliarden Dollar (GMV, Gross Margin Value) getätigt worden. Die Schätzung kann nicht alle Faktoren berücksichtigen, beispielsweise erzeugt nicht jede Sendung eines Händlers auch Versandeinnahmen bei Amazon. Händler, die selbst versenden, zahlen keine Versandgebühren an Amazon, nur Händler, die am FBA-Programm teilnehmen.
GeekWire verweist in einer Analyse auf Amazons wachsende Versandkosten, über 7 Milliarden fielen 2016 immerhin an Verlusten an. Dafür wächst die Kundenbasis aber weiterhin, wie Business Insider anhand der Prime-Abos vorrechnet, die sich mittlerweile auf 65 Millionen Prime-Konten belaufen sollen.
Doch im Gegensatz zur bisherigen Lage, die eher für AWS sprach, zeigt sich in diesem Jahr deutlich, dass das Handelssegment aufgrund der starken Händlerergebnisse die Rolle als deutlicher Wachstumstreiber übernimmt. Auch im Bereich Profitabilität wird der Handel trotz mutmaßlich hoher Margen im AWS-Geschäft eine Rolle spielen: Händlerprovisionen und Servicegebühren für die vielfältigen Dienstleistungen für Händler und Marken sind mit Ausnahme des FBA-Zweiges stark margenträchtig.
Quelle: http://t3n.de/news/amazon-umsaetze-zahlen-umsatz-2016-795362/
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